
Muss ich eigentlich selbst schreiben, um etwas Eigenes zu sagen?
Ich möchte künftig regelmäßig Gedanken, Beobachtungen und fachliche Perspektiven veröffentlichen. Nicht, weil ich unbedingt zum Blogger werden möchte, sondern weil ich merke, dass es für meine eigene Arbeit einen echten Mehrwert hat.
In meiner Arbeit geht es häufig darum, komplexe Themen zu strukturieren, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Klarheit zu schaffen. Das gilt für die Zusammenarbeit mit Führungsteams genauso wie für die Entwicklung von Strategien oder die Verbesserung von Prozessen. Dabei stelle ich immer wieder fest: Die eigenen Gedanken zu sortieren, eine Position zu entwickeln und diese verständlich zu vermitteln, ist ein wesentlicher Teil der Arbeit. Das regelmäßige Veröffentlichen von Artikeln soll mir dabei helfen, meine eigenen Gedanken weiterzuentwickeln. Gleichzeitig möchte ich damit anderen einen Einblick geben, wie ich denke, welche Perspektiven ich einbringe und wie ich an Herausforderungen herangehe. Denn gerade bei einer Beratungsleistung ist es hilfreich, wenn potenzielle Kunden bereits vor dem ersten Gespräch einschätzen können, ob die eigene Arbeitsweise und Haltung zu ihnen passen.
Allerdings stand ich vor einer Frage, die mich eine ganze Weile beschäftigt hat: Ist es eigentlich authentisch, wenn ich Blogartikel veröffentliche, die ich gar nicht selbst geschrieben habe?
Warum ich lange gezögert habe, KI zum Schreiben einzusetzen
Ich bin kein geborener Schreiber. Ich setze mich nicht besonders gerne drei Stunden abends hin, um aus einer ersten Idee einen längeren Text zu entwickeln. Und ehrlich gesagt habe ich diese Zeit auch nicht, weil ich andere Prioritäten setze.
Natürlich könnte ich mich trotzdem dazu zwingen. Aber der Aufwand steht für mich nicht unbedingt im Verhältnis zum Ergebnis. Denn häufig besteht der größte Teil der Arbeit gar nicht darin, die eigentlichen Gedanken zu entwickeln. Viel Zeit fließt vielmehr in die sprachliche Ausarbeitung: Wie baue ich den Text auf? Wie bringe ich die Argumentation in eine nachvollziehbare Reihenfolge? Passt die Dramaturgie? Ist der Übergang schlüssig? Muss ich den Abschnitt noch einmal komplett umstellen?
Gleichzeitig hatte ich Zweifel, ob ich damit nicht etwas Wesentliches abgebe. Schließlich liegt im Schreiben selbst auch ein Denkprozess. Gedanken werden beim Formulieren geschärft, Zusammenhänge sichtbar und Widersprüche erkennbar. Wenn ich diesen Prozess an eine KI übergebe, gebe ich dann nicht auch einen Teil meiner eigenen Denkarbeit ab?
Was ist eigentlich meine kreative Leistung?
Ich habe für mich inzwischen eine andere Perspektive darauf entwickelt. Meine eigentliche Stärke liegt weniger darin, lange Texte zu formulieren. Sie liegt darin, Beobachtungen zu machen, Muster zu erkennen, Zusammenhänge herzustellen und Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Daraus entstehen Hypothesen, Schlussfolgerungen und manchmal auch Gedanken, die ich vorher selbst noch nicht so klar formuliert hatte. Das ist der Teil meiner Arbeit, der mir liegt und den ich gerne mache.
Und genau hier setze ich inzwischen KI ein. Nicht als Werkzeug, das mir fertige Gedanken liefert, sondern als Sparringspartner, mit dem ich meine Gedanken weiterentwickle. Dabei passiert durchaus etwas Interessantes: Ich bringe eine Beobachtung oder eine zunächst noch vage Idee ein. Im Dialog werden daraus Rückfragen, neue Perspektiven und eine strukturierte Argumentation. Manchmal merke ich dabei erst, was ich eigentlich sagen
möchte. Manchmal wird auch deutlich, dass eine ursprüngliche Annahme nicht trägt. Die KI übernimmt damit durchaus einen Teil des Strukturierungs- und Klarheitsprozesses. Aber sie ersetzt nicht meine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema. Ich muss mich weiterhin positionieren, Entscheidungen treffen und für die Aussagen einstehen.
Wie ich daraus einen eigenen Redaktionsprozess entwickle
Damit das nicht bei gelegentlichen Experimenten bleibt, habe ich mir einen strukturierten Redaktionsprozess aufgebaut. Dazu gehören ein klar definierter Kontext mit meiner Positionierung, meiner Arbeitsweise und meinem Schreibstil sowie eigene Arbeitsanweisungen für die Entwicklung eines Redaktionsplans und einzelner Artikel. Der eigentliche Prozess beginnt aber nicht mit einem Schreibauftrag.
Ich beschreibe zunächst meine Gedanken, überwiegend über Spracheingabe. Ich erzähle, was mich beschäftigt, welche Beobachtungen ich gemacht habe und welche Zusammenhänge ich sehe. ChatGPT hilft mir anschließend, daraus eine Kernfrage und eine tragfähige Geschichte zu entwickeln. Wir hinterfragen die Argumentation, ergänzen Beispiele und schärfen die Schlussfolgerungen. Erst wenn die inhaltliche Richtung stimmt, entsteht daraus ein vollständiger Artikel. Was früher leicht drei Stunden in Anspruch nehmen konnte, weil ich mich von einer vagen Idee aus durch den gesamten Schreib- und Strukturierungsprozess arbeiten musste, lässt sich so auf ungefähr 30 Minuten aktive Sparringszeit konzentrieren. Das Ergebnis ist ein ausformulierter Text, der auf meinen Gedanken basiert und den ich anschließend prüfe und freigebe.
Ich mache dabei keinen Hehl daraus, dass die sprachliche Ausarbeitung überwiegend von ChatGPT stammt. Ich beanspruche nicht, ein kreativer Schreiber zu sein. Ich möchte meine Perspektiven verständlich vermitteln. Und ich nutze dafür ein Werkzeug, das mir genau dabei hilft.
Was bedeutet das eigentlich für andere Selbstständige und Unternehmen?
Ich glaube, dass diese Frage weit über das Schreiben von Blogartikeln hinausgeht. Unternehmen und Selbstständige müssen zunehmend erklären können, wofür sie stehen, wie sie arbeiten und welche Perspektive sie auf bestimmte Herausforderungen haben. Das ist nicht nur für die eigene Positionierung wichtig. Es hilft auch potenziellen Kunden, eine fundierte Entscheidung darüber zu treffen, ob eine Zusammenarbeit passt.
Gleichzeitig verändert sich die Informationssuche. Neben klassischen Suchmaschinen gewinnen KI-basierte Systeme an Bedeutung. Wer dort mit seiner Expertise und seinen Themen sichtbar werden möchte, braucht relevante und nachvollziehbare Inhalte, die regelmäßig veröffentlicht werden.
Die Herausforderung besteht also darin, eigene Gedanken und Erfahrungen überhaupt in eine Form zu bringen, in der andere sie finden und verstehen können. Dafür muss nicht jeder Unternehmer selbst zum Texter werden. Aber er sollte etwas Eigenes zu sagen haben. Für mich ist KI deshalb weder Ersatz für eigenes Denken noch eine Abkürzung, um ohne eigene Auseinandersetzung Inhalte zu produzieren. Sie ist ein Werkzeug, das mir hilft, meine eigentliche Stärke besser einzusetzen.
Vielleicht ist das auch die entscheidende Frage, die sich jeder stellen sollte, der KI in seiner Arbeit nutzt: Welche Leistung möchte ich selbst erbringen und welche Aufgaben kann ich sinnvoll einem Werkzeug überlassen? Ich möchte jedenfalls lieber 30 Minuten damit verbringen, meine Gedanken zu entwickeln und zu hinterfragen, als drei Stunden damit, einen Text zu produzieren, der diese Gedanken möglichst gut transportiert. Denn am Ende geht es mir nicht darum, selbst möglichst viele Texte zu schreiben.
Es geht darum, etwas Relevantes zu sagen zu haben und es mit anderen zu teilen.
